Thomas Darchinger liest aus „Dubliners“ von James JoyceEin wenig gefürchtet haben wir uns schon, am Sonntag, im Würmseestüberl. Kein Geringerer als einer der Lieblingsbösewichte des deutschen Fernsehens (Süddeutsche Zeitung) war zu Gast. Hu! Da weiss man dann nie, zieht der gleich ein Messer? Eine Pistole? Bricht von einem Moment auf den anderen eine Action-Szene aus und das Stüberl geht in Rauch auf? Nichts von alledem ist passiert, nur eine wunderbare und gemütliche Vorweihnachtslesung. Thomas Darchinger ist der „Bösewicht“. Dabei ist der ein wirklich feiner Kerl, Kumpeltyp. Hat super ins Würmseestüberl gepasst. Die bösen Rollen spielt er nur, wenn er nicht, wie am Sonntag, den 13.12.2015, liest. Im Würmseestüberl griff Thomas Darchinger zu James Joyce, dem irischen Schriftsteller, von dem auch das Mammutwerk „Ulysses“ stammt. Für die gut gelaunten Gäste beim Andreas Lidl im Stüberl gab es „Das Festessen“. Ein Kurzgeschichte von Joyce aus der Sammlung „Die Dubliners“. Eigentlich heißt diese Erzählung „Die Toten“ aber, so erklärt Darchinger, wenn man diesen Titel so ankündigt, dann kommt ja niemand. Die fordert Thomas Darchinger einiges ab, denn er liest die Geschichte nicht nur, er gibt den einzelnen Figuren auch Stimmen. Das kann er gut, denn neben Lieblingsbösewicht und Schauspieler ist Thomas Darchinger auch noch ein sehr gefragter Synchronsprecher. So hören wir also „Das Festessen“, das eigentlich „Die Toten“ heißt, hören von Gabriel Conroy und seiner Frau Gretta, von Tante Kate, Tante Julia, Mary Jane und wie sehr sie alle in Konventionen und Vorurteile verstrickt sind. Wie die scheinbare Fröhlichkeit des Festes, das die beiden Tanten alljährlich geben, als Kulisse menschlicher Begegnungen dient, vor der Einsamkeit, Ängste, Selbstzweifel und Sehnsüchte der Einzelnen zum Vorschein kommen. Die Geschichte gipfelt für Gabriel und die Zuhörer in der Erkenntnis, dass ihn seine Frau Gretta nie wirklich geliebt hat. Sie verdeutlicht die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen. Klingt sehr traurig, war es auch ein bisschen. Stoff zum Nachdenken. Die Lesung, immer wieder unterlegt mit leisen Klavierklängen von Eric Satie, die dem ganzen etwas Besinnliches, etwas Weihnachtliches gaben. Dabei waren die Gäste im ausverkauften Würmseestüberl mucksmäuschenstill und lauschten den Worten des Vorlesers. Ein rundum gelungener Abend, der hoffentlich eine Fortsetzung haben wird …

Der „Lieblingsbösewicht“ Thomas Darchinger mit Würmseestüberl-Wirt Andreas Lidl und Christiane Feigl nach der wunderbaren Lesung aus der Kurzgeschichtensammlung „Dubliners“ von James Joyce


Der „Lieblingsbösewicht“ Thomas Darchinger mit Würmseestüberl-Wirt Andreas Lidl und Christiane Feigl nach der wunderbaren Lesung aus der Kurzgeschichtensammlung „Dubliners“ von James Joyce